„Ein kleinerer Supermarkt mit rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche gegenüber der Weißen Burg hätte wahrscheinlich schon geöffnet.“ Da sind sich die beiden Ratsfrauen der SPD aus Friesheim, Claudia Siebolds und Susanne Loosen, einig. Doch dieser kleinere Markt – bereits im Oktober 2017 von der Ortsbürgermeisterin beantragt und vom Einzelhandelsgutachter als bester von vier Standortvarianten bewertet –  war CDU, FDP und Freien Wählern nicht gut genug. Sie beschlossen im März 2018 den Bau eines großen Supermarktes am Friedhof.

Doch die Planung dort geht nicht weiter. Ein Investor sicherte sich die Flächen und plante großzügig. Doch nach einer Bürgerversammlung im Mai 2019, in der er die Planung vorstellte und vollmundig erklärte, im Sommer den Bauantrag stellen und den Markt bis Weihnachten 2020 bauen zu wollen, herrscht Funkstille, haben die Friesheimer vom Investor nichts mehr gehört.

Die notwendigen Planungsunterlagen hat er bis heute nicht eingereicht. Mittlerweile scheint er kein großes Interesse mehr zu haben. Zumal es wohl derzeit auch keinen Betreiber für einen 1.600 Quadratmeter großen Markt gibt, dessen Genehmigung durch die Bezirksregierung bis heute aussteht. Die Versprechen des Investors gegenüber den Grundstückseigentümern, die Ackerflächen am Friedhof zu vergolden, kann er offensichtlich nicht halten.

Ortsbürgermeisterin Claudia Siebolds und ihre Friesheimer Kollegin, Susanne Loosen, drängen auf Klarheit. Sie wollen spätestens im kommenden Stadtentwicklungsausschuss wissen, was der Investor vorhat, ob die Grundstücke auch anderen Investoren für den Bau eines Lebensmittelmarktes offenstehen. Parallel dazu soll die Wirtschaftsförderung nach einem neuen Standort für den Markt suchen. Eine Antwort der städtischen Wirtschaftsförderung steht bis heute aus, obwohl der entsprechende Antrag der Ortsbürgermeisterin dort seit Ende November vorliegt.

„Wir brauchen den Markt jetzt. Wir brauchen eine funktionierende Versorgung der Friesheimer Bürger und Bürgerinnen“, sagt Claudia Siebolds. „Deshalb erwarten wir, dass die Wirtschaftsförderung schnellstmöglich auch alternative Standortvorschläge in die Diskussion einbringt.“ Siebolds fordert schließlich auch, dass die Wirtschaftsförderung mit potenziellen Marktbetreibern verhandelt.

Siebolds und Loosen appellieren an alle Beteiligten in Verwaltung und Politik, nach einer machbaren Lösung zu suchen und diese dann schnellstmöglich umzusetzen. „Für taktische Spielchen und ein Beharren auf nicht umsetzungsfähigen Positionen – egal ob aus Politik, Verwaltung und auch seitens der Grundstückseigentümer – haben die Friesheimer zurecht kein Verständnis mehr“, so die Ortsbürgermeisterin.