Schallende Ohrfeige für Investor und alle engagierten Mitstreiter für eine zentrale Bibliothek

Mit einer schallenden Ohrfeige für all diejenigen, die sich in der Bürgerschaft, der Verwaltung und im Rat in den vergangenen vier Jahren intensiv mit der Standortsuche und einem modernen Konzept für eine zentrale Bibliothek beschäftigt haben, haben CDU, FDP und Freie Wähler gestern die Diskussion darüber abrupt beendet. Sie beschlossen gegen die Stimmen von SPD und Grünen, die Standortsuche für eine zentrale Bibliothek zu beenden und es bei den zwei Standorten zu belassen. Für den Lechenicher Standort sollen Teile des ehemaligen Kaufhauses Köhnen angemietet werden. Der Mietvertrag für den bestehenden Standort in Liblar soll verlängert werden. Das Angebot eines Investors, am Marienplatz in unmittelbarer Nähe der Volkshochschule unter Einbeziehung des unter Denkmalschutz stehenden Esserhofes ein modernes Bibliotheksgebäude zu bauen und der Stadt zur Anmietung anzubieten, wiesen CDU und FDP brüsk zurück. Nach der Vorstellung des Projektes durch den Architekten zog Michael Schmalen, Vorsitzender der Lechenicher CDU, einen schriftlichen Antrag aus der Tasche, der als ersten Punkt die Forderung nach Einstellung der Planungen für eine zentrale Bibliothek beinhaltete.

Engagement mit Füßen getreten

„Mit diesem Beschluss ist die Arbeit diverser Arbeitsgruppen, in denen CDU und FDP mitwirkten, mit Füßen getreten worden“, kritisieren Fraktionsvorsitzender Bernd Bohlen und sein Stellvertreter Axel Busch das Vorgehen von CDU und FDP.  Noch vor knapp vier Wochen hätten Verwaltung und Ratsmitglieder zusammengesessen, um sich über einen möglichen Standort für eine Zentralbibliothek zu beraten. Dabei habe Einigkeit geherrscht, vorrangig zwei in Frage kommende Standorte weiter zu untersuchen – den in der Nähe der Volkshochschule in Liblar und Flächen im Lechenicher Stadtzentrum. „Mit ihren Anträgen kündigten CDU und FDP nun jegliche Gemeinsamkeit auf“, sagt Bernd Bohlen. „Vier Jahre lang haben CDU und FDP Teile des Rates, Teile der Verwaltung und die in dieser Frage engagierte Bürgerschaft zum Narren gehalten. Sie haben Aufträge an das Kulturamt vergeben, immer detailliertere Standortuntersuchungen gefordert und somit bis gestern den Eindruck vermittelt, sie seien ernsthaft an der Errichtung einer zentralen Bibliothek interessiert.“ Jetzt zeigten sie ihr wahres Gesicht in dieser Frage.

Chance verpasst

„Mit der brüsken Zurückweisung des Vorhabens des Investors haben CDU und FDP eine große Chance verpasst“, kritisiert Axel Busch die Beschlüsse. Bei Realisierung des Vorhabens hätte am Marienplatz in Verbindung mit der Volkshochschule ein interessantes Bildungszentrum entstehen können. Dass sich CDU und FDP schon vor der Präsentation des Vorhabens dagegen entschieden haben, ist für Busch, auch für viele andere in der Erftstädter Politik, ein ungeheurer Vorgang. Nicht einmal einer Gegenüberstellung der Miet- und Nebenkosten für die Anmietung des neu zu errichtenden Bibliotheksgebäudes am Marienplatz und der von CDU und FDP angestrebten Anmietung des ehemaligen Kaufhauses Könen plus der Mietzahlungen für den bestehenden Bibliotheksstandort in Liblar mochten sie zustimmen. Dies sei umso erstaunlicher, da der Vorschlag „Kaufhaus Könen“ schon vor drei Jahren unter anderem wegen der hohen Mietkosten einstimmig vom Betriebsausschuss Immobilien abgelehnt worden sei. „Leider ist die Weigerung von CDU und FDP, sich einem seriösen Kostenvergleich zu stellen, kein Einzelfall. Auch beim Thema „Sanierung Schulzentrum Lechenich“ lehnten sie einen Wirtschaftlichkeitsvergleich Sanierung versus Neubau ab“, so Bohlen und Busch abschließend.