Schulverwaltung hat Situation falsch eingeschätzt

Die Nordschule in Lechenich braucht mehr Platz für den Ganztagsbetrieb. 170 Kinder werden in nur drei Räumen betreut

Erftstadt. Der sogenannte Offene Ganztag an den Grundschulen in Erftstadt muss weiter ausgebaut werden. Der Bedarf steigt trotz zurückgehender Schülerzahlen. Das Schulverwaltungsamt hat die Situation völlig falsch eingeschätzt. „Das sind die wichtigsten Erkenntnisse, die wir aus der letzten Sitzung des Schulausschusses zu diesem Thema mitgenommen haben“, zieht Axel Busch, Vorsitzender des Schulausschusses und stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender, ein erstes Fazit.

Auslöser der Diskussion war ein Antrag der SPD-Fraktion zu den Haushaltsplanungen im November 2018, in dem die Fraktion eine Optimierung des Ganztagsbetriebs an den Grundschulen und die für die Umsetzung erforderlichen Haushaltsmittel gefordert hatte. In der Stellungnahme hatte die Verwaltung dann keinen Handlungsbedarf gesehen. Als Grund nannte sie die zurückgehenden Schülerzahlen. Zusätzliche Investitionen bezeichnete das Schulamt als wenig „sinnvoll“.

Widerspruch aus den Grundschulen

Die beiden Schulleiterinnen Renate Lehmann (Grundschule Liblar) und Petra Baunemann (Grundschule Lechenich Nord) widersprachen der Einschätzung der Verwaltung vehement. So hat sich der Anteil der Schulkinder im offenen Ganztagsbetrieb in der Donatusschule in Liblar verdreifacht. Gerade mal fünf Räume stehen für insgesamt 380 Kinder zur Verfügung. Die Nordschule in Lechenich hat nur drei Räume für die Betreuung von 170 Kindern.

Bedarf in den Grundschulen abfragen

„Wir muten unseren Kindern zu, acht Stunden im gleichen Raum zu verbringen und das Schulamt sieht keinen Handlungsbedarf“, spitzte Susanne Loosen (SPD) die Diskussion im Ausschuss zu. Fraktionsvorsitzender Bernd Bohlen beantragte im Ausschuss für die SPD konsequenterweise, den tatsächlichen Bedarf an den Grundschulen abzufragen und zum nächsten Schulausschuss Lösungen vorzuschlagen.

Seit Beginn der Diskussion über den Offenen Ganztag hat die SPD-Fraktion das Thema immer wieder aufgegriffen und beflügelt. „Damals haben wir gegen den damaligen Schuldezernenten Volker Erner (CDU) durchgesetzt, dass das Modell an allen sieben Grundschulen möglichst gleichzeitig eingeführt wird. Erner habe damals nur an zwei Schulen beginnen wollen, erinnern sich die älteren Mitglieder im Schulausschuss. Die SPD-Fraktion initiierte auch die große Befragung zur Ausstattung und der Qualität der Offenen Ganztagsschule im Jahr 2013 in deren Folge verschiedene Einrichtungen, so zum Beispiel in Gymnich, ausgebaut wurden.

„Wir wünschen uns zwar den gebundenen Ganztag auch in den Grundschulen, aber so lange wir den nicht haben, gilt es den offenen Ganztag konsequent zu fördern. Den müssen wir regelmäßig an den steigenden Bedarf anpassen – sowohl was die räumliche Ausstattung betrifft als auch die Qualität des Angebotes“, sagt Axel Busch. „Im Gegensatz zur Schulverwaltung sehen wir da noch großen Handlungsbedarf“, fügt Susanne Loosen an.