Keine Trendwende

Erftstadt. Eine Trendwende bei den Anmeldezahlen der weiterführenden Erftstädter Schulen kann die SPD-Fraktion nicht erkennen. Der Handlungsdruck bleibt hoch. „Ein Weiter so in der Schulpolitik ist und bleibt fahrlässig“, so Fraktionsvorsitzender Bernd Bohlen und sein Stellvertreter Axel Busch. Die Anmeldezahlen im Schulzentrum Liblar

Anbau Mensa und Schulräume im Schulzentrum Liblar

haben sich auf hohem Niveau eingependelt. Die Gottlieb-Kinkel-Realschule und das Ville-Gymnasium verzeichnen gegenüber den Vorjahren nahezu konstante Anmeldezahlen. 222 Schülerinnen und Schüler werden in den Eingangsklassen der beiden Schulen zukünftig unterrichtet. Am Ville-Gymnasium sind es 130, an der Gottlieb-Kinkel-Realschule 92.

Zum Schuljahresbeginn 2018/2019 wechseln zu den drei Schulen im Schulzentrum Lechenich 180 Schülerinnen und Schüler. Während an der Theodor-Heuss-Hauptschule mit 33 Schülerinnen und Schüler zwei weniger angemeldet wurden als im Jahr davor, sind es an der Realschule 9 zusätzliche Schülerinnen und Schüler (insgesamt 70) und am Gymnasium 13 (insgesamt 77). „In diesem erstmaligen Anstieg der neu angemeldeten Schülerinnen und Schülern am Gymnasium Lechenich sehen wir noch keine nachhaltige Trendwende“, sagt Axel Busch. Das verdeutlichten zwei weitere Zahlen. Von 234 Grundschülern aus dem Einzugsbereich des Schulzentrums Lechenich wurden nur 147 auf Gymnasium oder Realschule angemeldet. Im Einzugsgebiet des Schulzentrums Liblar gab es 191 Grundschüler. Gymnasium und Realschule verzeichneten aber über 222 Anmeldungen. In den Anmeldezahlen enthalten sind auch Schülerinnen und Schüler aus

Sanierte Realschule Schulzentrum Liblar

Nachbarkommunen. Das erklärt dann auch die 222 Anmeldungen am Schulzentrum in Liblar. Die Zahl der angemeldeten Schülerinnen und Schüler am Schulzentrum in Liblar übersteigt bei weitem die Zahl der in seinem Einzugsbereich von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen wechselnden Kinder. Beim Schulzentrum Lechenich ist es genau umgekehrt. Dort werden deutlich weniger Kinder angemeldet, als im Einzugsbereich angemeldet sind. Das zeigt: Dem Schulzentrum Lechenich gelingt es nach wie vor nicht, die in seinem Einzugsgebiet wohnenden Eltern und Kinder zu binden.

Eingang Gymnasium und Realschule Lechenich

Unterschiedliche Entwicklung

Die unterschiedlichen Entwicklungen in den beiden Schulzentren zeigen sich auch in den Abweichungen von den Prognosen im Schulentwicklungsplan. Am Gymnasium Lechenich wurden 9 Kinder weniger angemeldet als prognostiziert. In Liblar waren es 7 mehr.

Messlatte tiefer gehängt

Unabhängig von den Anmeldungen an den weiterführenden Schulen in Erftstadt ist noch eine andere statistische Größe signifikant. Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 wechselten 10 Schüler nach Klasse 6 vom Gymnasium Lechenich zur Realschule. Das sind 14 % des Jahrgangs. Am Gymnasium Liblar waren es dagegen 4 Schüler von 129, das sind gerade mal 3 %. Die signifikant höhere Abbrecherquote am Gymnasium in Lechenich lässt aufhorchen. Nicht auszuschließen ist, dass die hohe Abbruchquote auch damit zusammenhängt, dass das Gymnasium bei der Auswahl der Schülerinnen und Schüler die Messlatte bei der Einschulung tiefer gehängt hat.

Neubau statt Sanierung

Unabhängig von den Anmeldezahlen sieht die SPD-Fraktion die Sanierung des Schulzentrums Lechenich über einen Zeitraum von mehreren Jahren im Schulbetrieb als die denkbar schlechteste Lösung für den Schulstandort Lechenich an. „Ein Neubau, ganz nach den neuesten pädagogischen Konzepten geplant und ausgestattet, ist schlichtweg die bessere Lösung“, bekräftigt Axel Busch.

Abgewiesen

Während in Erftstadt ausreichend Plätze an den Gymnasien, hier insbesondere in Lechenich, und an den Realschulen zur Verfügung stehen, sieht es für diejenigen Eltern schlecht aus, die ihr Kind auf einer Gesamtschule anmelden wollen. Laut Angaben der Stadt Erftstadt haben 58 Eltern ihre Kinder auf benachbarte Gesamtschulen angemeldet. Lediglich 37 wurden angenommen. Das sind knapp über 60 %. Für den Rückgang der Anmeldezahlen an Gesamtschulen in den Nachbarstädten machen die Sozialdemokraten zwei Entwicklungen verantwortlich: Zum einen wissen die Eltern, dass die Chance, einen der begehrten Plätze an den Gesamtschulen zu bekommen, gering ist. Eine Ablehnung ist immer eine Belastung für den Schulstart der Kinder. Zum anderen ist der Besuch einer Schule in der Nachbarstadt immer aufwendiger (Erreichbarkeit/Verlust von Freundschaften).