Erftstadt. „Bürgermeister Volker Erner erkennt immer noch nicht den Ernst der Lage“, kritisiert Fraktionsvorsitzender Bernd Bohlen die böswillige Unterstellung des Bürgermeisters, die SPD-Fraktion rede die Erftstädter Schullandschaft schlecht. „Die Abwanderung der Schülerinnen und Schüler an weiterführende Schulen in die Nachbarstädte ist eine Abstimmung mit den Füßen. Dass immer mehr Eltern in Erftstadt nicht das passende Schulangebot für ihre Kinder finden, ist ein Beweis dafür, dass das Angebot an der Nachfrage vorbeigeht.“

Erner ist seit Januar 2001 für die Schullandschaft in Erftstadt zuständig. Mehrfach hat die SPD-Fraktion in dieser Zeit auf die zunehmende Abwanderung hingewiesen. Gerade einmal 10 % der Schülerinnen und Schüler sind zu Beginn seiner Amtszeit an Nachbarschulen abgewandert. Heute sind es 28 %. Zu Beginn des Schuljahres 2016/2017 fanden 34,8 % der Eltern kein passendes Angebot in der Stadt. „Bis heute ist Volker Erner nicht bereit, das Schulangebot der tatsächlichen Nachfrage in Erftstadt anzupassen“, sagt Bohlen. Er rede sich die Situation seit 15 Jahren schön.

Kritik übt die SPD-Fraktion auch an den Aussagen der Schulpflegschaftsvorsitzenden des Gymnasiums in Lechenich. Deren Aussage, dass, bei alleiniger Betrachtung der Kernorte, die Bindungen an das Schulzentrum in Liblar und Lechenich ähnlich seien, ist schlichtweg falsch. Zum Schuljahr 2016/2017 wurden von 59 Schülerinnen und Schülern mit Gymnasialempfehlung oder eingeschränkter Gymnasialempfehlung 88 % aus dem Stadtteil Liblar am Schulzentrum in Liblar angemeldet, aber nur 56 % der 72 Schülerinnen und Schüler aus Lechenich am Schulzentrum in Lechenich. „Diese Zahlen sind nicht „ähnlich“. Sie dokumentieren in aller Deutlichkeit, die unterschiedliche Attraktivität der beiden Gymnasien in Erftstadt. „Die jetzt vorgesehene 24 Millionen Euro teure bauliche Kosmetik am Schulzentrum Lechenich wird nicht automatisch zu einem besseren Angebot führen. Vielmehr ist zu befürchten, dass die Sanierung im laufenden Betrieb noch mehr Eltern davon abschrecken wird, ihr Kind an einer Schule im Schulzentrum Lechenich anzumelden“, so der Vorsitzende des Schulausschusses, Axel Busch.

Das Argument, den Auspendlern ständen auch Einpendler gegenüber, ist nach Ansicht der SPD-Fraktion ein untauglicher Versuch, von den eigentlichen Problemen abzulenken. Die Zahl der Auspendler ist um rund 400 höher als die Zahl der Einpendler. Selbst im Bereich der Gymnasien pendeln deutlich mehr Schülerinnen und Schüler in die Nachbarstädte aus als einpendeln. Der überwiegende Teil der Einpendler besucht im Übrigen das Gymnasium in Liblar. „Erftstadt hat die sich seit 15 Jahren abzeichnende Veränderung der Nachfrage im Bereich der Schulen schlichtweg verschlafen. Während in unseren Nachbarstädten die Angebote Schritt für Schritt ausgeweitet wurden und werden, hält die Stadt Erftstadt an längst überholten Standards fest“, so Bohlen. Hauptverantwortlich für die Schulpolitik sei Volker Erner, von 2001 bis 2013 als Schuldezernent und seitdem als hauptamtlicher Bürgermeister.