Die SPD-Fraktion will die Schulpolitik in Erftstadt auf komplett neue Füße stellen. Der von einer hauchdünnen Mehrheit beschlossene Schulentwicklungsplan für die Jahre 2016 bis 2020 ist reine Makulatur. „Er bietet schlichtweg keine Lösungsvorschläge für die Entwicklung eines nachhaltigen und zukunftsorientierten Schulkonzeptes“, begründet Fraktionsvorsitzender Bernd Bohlen die Haltung seiner Fraktion. Der Bedarf an der Errichtung einer Gesamtschule wird überhaupt nicht erwähnt. Konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Inklusion fehlen völlig. Der Bedarf an zusätzlichen Sportstätten für die Grundschulen wird zwar erwähnt, konkrete Handlungsempfehlungen fehlen jedoch völlig. Keine konkreten Vorgaben enthält der Schulentwicklungsplan auch zum Ausbau und zur Weiterentwicklung des Ganztagsangebots an den Erftstädter Schulen. Die demografische Entwicklung und deren Auswirkungen auf das Schulsystem werden nahezu komplett ausgeblendet.

Die Einrichtung einer Gesamtschule und die Zukunft des Schulzentrums Lechenich sind danach nicht die einzigen Herausforderungen, die Rat und Verwaltung zu bewältigen haben. Der bauliche Zustand und die Ausstattung der Grundschulen, das offene und gebundene Ganztagsangebot, die Inklusion, die Schulsozialarbeit und die Förderpädagogik sind weitere zentrale Themenbereiche. Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Ganztagsunterricht und Inklusion sind für die SPD-Fraktion unverzichtbare Bestandteilte einer zukunftsorientierten Bildungspolitik, stellt die SPD-Fraktion einem umfangreichen Standpunktepapier zum Thema „Schulen in Erftstadt“ voran.

Ja zur Gesamtschule

Die Notwendigkeit der Errichtung einer Gesamtschule in Erftstadt steht für die SPD-Fraktion außer Zweifel. Die Gesamtschule ist laut einer Elternbefragung aus dem Jahr 2014 nach dem Gymnasium die gefragteste Schulform. „Die Gesamtschule als gesamtstädtische Einrichtung gehört in eines der beiden Schulzentren“, sagt Axel Busch, Vorsitzender des Schulausschusses. Die SPD-Fraktion schlägt vor, die Hauptschule in das Gebäude der ehemaligen Don-Bosco-Schule nach Friesheim zu verlegen und in den freiwerdenden Räumen der Hauptschule die Gesamtschule einzurichten. Realschule und Gymnasium können so weiterbetrieben werden. Beispiele aus anderen Städten zeigen jedoch, dass durch die Gründung der Gesamtschule die Realschulen an Schülerinnen und Schüler verlieren. Die Gesamtschule kann sich so später in eine dann sukzessiv auslaufende Realschule ausweiten. Das Gymnasium kann grundsätzlich auf Dauer bestehen bleiben. Die SPD-Fraktion strebt eine Kooperation zwischen Gesamtschule und Gymnasium in der Oberstufe an. „Davon können letztendlich beide Seiten profitieren“, so Busch. Sollte es zukünftig eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 geben und sich das Gymnasium für G9 entscheiden, könnte dies die Kooperation weiter beflügeln.

Für den Standort Lechenich spricht nach Ansicht der SPD-Fraktion eine Reihe von Gründen. Die höhere Nachfrage nach einer Gesamtschule aus dem Einzugsbereich des Schulzentrums Lechenich ist einer davon. Die weitaus geringere Bindung der Eltern und Schüler aus dem Einzugsbereich an das Schulzentrum Lechenich ein anderer. Zum Beispiel besuchen 81 % der Kinder, die in diesem Schuljahr aus einer Grundschule aus dem Einzugsbereich des Schulzentrums Liblar zu einer weiterführenden Schule übergegangen sind, das Schulzentrum in Liblar. Im Einzugsbereich von Lechenich sind es nur 53 %. Das Schulzentrum Liblar ist weitgehend saniert. Die neue Mensa ist gerade fertig geworden. Das Schulzentrum in Lechenich muss baulich erst auf den neuesten Stand gebracht werden. Dabei können dann die Bedürfnisse der Gesamtschule mit eingeplant werden.

Das Vorantreiben der Sanierung des Schulzentrums in Lechenich hält die SPD-Fraktion aus diversen Gründen derzeit für völlig unsinnig. Der Beschluss ist gefasst worden, ohne ernsthaft den Neubau zu prüfen.

Grundschulen

Nachholbedarf in der baulichen und technischen Ausstattung sehen die Sozialdemokraten vor allem auch bei den sieben Grundschulen. Nach ihrer Ansicht ist der Sanierungsbedarf sehr groß. Nicht alle Grundschulen verfügten über die Räume, die sie für ein gemeinsames Lernen und Ganztag benötigen. Außerdem fehlten Räume für den Schulsport. Laut Schulentwicklungsplan fehlen mindestens drei. Auch den Brandschutz sieht die SPD-Fraktion nicht überall erfüllt. Ausbaufähig ist auch die Übermittags- und Ganztagsbetreuung, die nach wie vor nicht an allen Grundschulen optimal gegeben ist. Neben der offenen Ganztagsschule fordern die Sozialdemokraten auch mindestens eine gebundene Ganztagsgrundschule in Erftstadt.

Förderpädagogik und Inklusion

Die SPD-Fraktion bemängelt, dass schulische Inklusion in Erftstadt nicht ausreichend stattfindet. Nur vier der sieben Grundschulen bieten gemeinsames Lernen an. Im Bereich der weiterführenden Schulen beteiligen sich nur die Hauptschule und die beiden Realschulen mit einem vergleichsweise niedrigen Anteil. Die SPD-Fraktion fordert deshalb ein Inklusionskonzept für alle Schulen in Erftstadt. Bei der Förderpädagogik sieht die SPD-Fraktion den Rhein-Erft-Kreis in der Pflicht, nun ein Förderschulkonzept vorzulegen, bei dem die Schülerinnen und Schüler weiter mit möglichst kurzen Schulwegen die gewünschte Förderschule besuchen können. Das Angebot an der ehemaligen Don-Bosco-Schule in Friesheim ist selbst als Teilstandort der Martinusschule Kerpen nicht mehr gesichert.

Schulsozialarbeit

Nicht wegzudenken ist für die SPD-Fraktion die Schulsozialarbeit. Schule ist heute nicht mehr nur Lern-, sondern auch Lebensraum. Die Problemstellungen haben sich verändert. Die SPD-Fraktion fordert, dass das Land/der Bund die Finanzierung der Schulsozialarbeit auf Dauer sicherstellen.

Schülerverkehr/Schulbusverbindungen

In einer Flächengemeinde wie Erftstadt ist die Erreichbarkeit der Schulen für alle Schülerinnen und Schüler von immenser Bedeutung. Insbesondere bei den weiterführenden Schulen muss die Erreichbarkeit jedes Schulzentrums von jedem Stadtteil aus gesichert sein. Dies umso mehr, je differenzierter sich das Angebot an den beiden Schulzentren entwickelt.