Präambel

Eine familienfreundliche Stadt braucht eine moderne Bildungs- und Schullandschaft. Familien fragen zu Recht ein vielfältiges Bildungsangebot nach, das ihren Kindern größtmögliche Chancen bietet. Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Ganztagsunterricht und Inklusion sind für die SPD-Fraktion unverzichtbare Bestandteile einer zukunftsorientierten Bildungspolitik. Wir setzen auf Kooperation zwischen den Schulen, aber auch auf Kooperation mit Vereinen und anderen außerschulischen Partnern. Wir setzen uns für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Schulpolitik in Erftstadt ein.

Erftstadt verfügt derzeit über sieben Grundschulen, eine Hauptschule, zwei Realschulen und zwei Gymnasien. Außerdem gibt es in Liblar eine Waldorfschule. Zu einem modernen Bildungsangebot gehört neben diesen bestehenden Schulformen auch die Gesamtschule. Nach den Diskussionen in den vergangenen Jahren müssen wir in Erftstadt zu einer Lösung kommen, die allen Schülerinnen und Schülern gerecht wird. Die kontroverse Debatte über die Errichtung einer Gesamtschule darf nicht den Blick darauf verstellen, dass die Schulpolitik in Erftstadt noch eine Reihe wichtiger Aufgaben zu lösen hat. Zu nennen sind der bauliche Zustand und die Ausstattung der Grundschulen, das offene und gebundene Ganztagsangebot, die Inklusion, die Schulsozialarbeit und die Förderpädagogik.

Weiterführende Schulen in Erftstadt

Sechs weiterführende Schulen in einer Stadt mit rund 50.000 Einwohnern müssten mehr als ausreichend sein – sollte man meinen. Auf den ersten Blick mag das stimmen. Doch die Erftstädter Realität zeigt: Viele Eltern in Erftstadt finden kein passendes Angebot in der Stadt. Im Schnitt der letzten Jahre wurden ca. 24 % der Kinder auf einer weiterführenden Schule in einer Nachbarkommune angemeldet. Die Abwanderung steigt weiter. Im Schuljahr 2016/2017 waren es bereits 35 %. Der demografische Wandel führt laut Schulentwicklungsplan und anderer statistischer Berechnungen zu einem weiteren Rückgang der Schülerzahlen in Erftstadt.

Die Eltern, die ihr Kind auf einer weiterführenden Schule in der Nachbarschaft angemeldet haben, favorisierten in den vergangenen Jahren in erster Linie die Gesamtschulen in den Nachbargemeinden. Das Interesse an der Gesamtschule ist über alle Jahre hinweg gleich groß geblieben. Heute verlassen aber auch immer mehr Schüler die Stadt, um ein Gymnasium in den Nachbarkommunen zu besuchen. Die Abwanderung der Kinder an Gymnasien außerhalb der Stadt hat stark zugenommen. Daraus ergibt sich klar und deutlich: In Erftstadt fehlt eine Gesamtschule und das gymnasiale Angebot ist trotz der beiden vorhandenen Gymnasien aus den unterschiedlichsten Gründen nicht auszureichend. Was wir seit Jahren erleben, ist eine Abstimmung mit den Füßen. Diese Entwicklung muss endlich gestoppt werden. Es ist Aufgabe von Rat und Verwaltung, Erftstädter Eltern ein so breites Angebot zur Verfügung zu stellen.

Ja zur Gesamtschule

Die SPD-Fraktion sagt Ja zur Gesamtschule. Der Bedarf ist vorhanden. 2014 hat es in Erftstadt eine Elternbefragung gegeben. Die Gesamtschule ist – nach dem Gymnasium – die gefragteste Schulform. 42% der Eltern gaben an, dass sie ihr Kind auf einer Gesamtschule in Erftstadt anmelden würden. Damit wäre die Gesamtschule mittelfristig die größte angebotene weiterführende Schule in Erftstadt. Ausschlaggebend ist rechtlich der Elternwille der Dritt- und Viertklässler. Wir Sozialdemokraten wollen den Eltern die Möglichkeit geben, ihre Kinder auf einer Gesamtschule in Erftstadt anzumelden.

Die Gesamtschule als gesamtstädtische Einrichtung gehört in eines der beiden Schulzentren. Wir Sozialdemokraten haben uns schon früh für eine Errichtung der Gesamtschule im Schulzentrum in Lechenich ausgesprochen. Daran halten wir fest. Dabei favorisieren wir folgendes Modell: Die Hauptschule wird in das Gebäude in der ehemaligen Don-Bosco-Schule nach Friesheim verlegt. Die in diesen Räumen noch vorhandene Außenstelle der Martinusschule Kerpen wird aufgrund der geringen Schülerzahl auslaufen (siehe auch Abschnitt Förderpädagogik und Inklusion). In dem Gebäude der Hauptschule in Lechenich wird die Gesamtschule eingerichtet. Realschule und Gymnasium können weiterbetrieben werden. Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass durch die Gründung der Gesamtschule die Realschulen an Schülerinnen und Schülern verlieren. Die Gesamtschule könnte sich so später in eine dann sukzessiv auslaufende Realschule ausweiten. Das Gymnasium kann daneben auf Dauer bestehen bleiben. Eine Kooperation in der Oberstufe zwischen Gesamtschule und Gymnasium wird angestrebt, wovon beide Seiten profitieren könnten. Sollte es zukünftig eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 geben und sich das Gymnasium für G9 entscheiden, könnte dies die Kooperation weiter beflügeln.

Die Schulzentren in Liblar und Lechenich

Das Schulzentrum in Liblar besteht aus dem Ville-Gymnasium und der Gottfried-Kinkel-Realschule. Die ehemalige Carl-Schurz-Hauptschule wurde mit der Hauptschule Lechenich im Schulzentrum Lechenich zusammengelegt. Das Ville-Gymnasium wurde in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Aktuell wird das Ville-Gymnasium bilingual; das heißt, für einen Teil der Schüler gibt es Unterricht in englischer Sprache. Die Anmeldezahlen des Ville-Gymnasiums sind hoch und sprechen für dessen Attraktivität. Dazu trägt sicher auch der Ganztagsbetrieb bei. Das Schulzentrum wurde in den letzten Jahren entsprechend dem Bedarf von Gymnasium und Realschule saniert.

Der sogenannte Neubauteil der ehemaligen Carl-Schurz-Hauptschule wurde in der Zwischenzeit für rund 4 Millionen Euro umgebaut. Es entstanden dort Fachräume und eine Mensa für die Schülerinnen und Schüler des Ville-Gymnasium und der Gottfried-Kinkel-Realschule. In den freigewordenen Räumen wird ein sozio-interkultureller Jugendtreff Platz finden. Außerdem nutzen VHS und Vereine einige Räume. Das Schulzentrum entwickelt sich also zur Bildungslandschaft.

81 % der Kinder, die in diesem Jahr aus einer Grundschule aus dem Einzugsbereich des Schulzentrums (Kierdorf, Köttingen, Liblar, Bliesheim, Blessem) auf eine weiterführende Schule übergegangen sind, haben sich für dieses Schulzentrum entschieden.

Im Schulzentrum Lechenich befinden sich ein Gymnasium, eine Real- und eine Hauptschule. Das Schulzentrum selbst ist stark sanierungsbedürftig. Durch immer neue Anbauten und Ergänzungen ist die Zuordnung sehr unübersichtlich. Die Einbindung in das städtische Quartier ist erheblich verbesserungsbedürftig. Handlungsbedarf ist gegeben. Gymnasium und Realschule sollen nun für rund 24 Millionen Euro saniert werden. Bürgermeister, CDU und FDP haben mit einer hauchdünnen Mehrheit die Sanierung von Gymnasium und Realschule beschlossen und einen Architektenwettbewerb eingeleitet. Zu keinem Zeitpunkt haben sie klären lassen, ob ein Neubau nicht wirtschaftlicher sein könnte. Eine solche Wirtschaftlichkeitsberechnung fordert die SPD-Stadtratsfraktion seit Oktober 2015.

Unsinnig ist es, aufgrund der derzeit völlig ungeklärten Entwicklung der Schullandschaft in Erftstadt, die Sanierung des Schulzentrums in Lechenich voranzutreiben. Unsinnig ist es vor allem deshalb, weil bei einer Einrichtung einer Gesamtschule im Schulzentrum Lechenich Millionen in Schulformen gesteckt werden, die in einigen Jahren so nicht mehr gebraucht werden. Unsinnig ist es aber auch wegen den schon zuvor beschriebenen nicht sinnvoll funktional zu integrierenden Anbauten und Ergänzungen. Die SPD-Fraktion hat in den vergangenen Monaten wiederholt gefordert, zu prüfen, ob im Rahmen eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für Lechenich nicht ein Großteil der Sanierungsmaßnahmen gefördert werden kann. Immerhin sind im Rahmen dieser städtebaulichen Förderung Fördergelder in Höhe bis zu 75 % der Einzelmaßnahmen möglich.

Nur 53 % der Kinder, die in diesem Jahr aus einer Grundschule aus dem Einzugsbereich des Schulzentrums Lechenich (Erp, Lechenich-Nord, Lechenich-Süd, Gymnich) auf eine weiterführende Schule übergegangen sind, haben sich für das Schulzentrum Lechenich entschieden.

Das Standortgutachten

Das Standortgutachten listet in vielen Einzelbereichen wichtige und richtige Daten auf. Der Gutachter kommt aber dann zu falschen Schlüssen. Alle Fakten sprechen für die Einrichtung einer Gesamtschule in Lechenich. Selbst der Gutachter kommt zu dem Ergebnis, dass „einiges für ein Gesamtschulstandort im Schulzentrum Lechenich spricht“. Dennoch lautet seine dann überraschende Empfehlung, die Gesamtschule in Liblar einzurichten. Die Empfehlung des Gutachters stützt sich dabei vor allem auf das leerstehende Altgebäude der ehemaligen Hauptschule. Wörtlich heißt es dazu im Papier: „Der wohl gewichtigste Grund von allen ist jedoch, dass die Gesamtschule im Schulzentrum Liblar in dem freigezogenen Schulgebäude Bahnhofstraße starten kann und erst im zweiten Jahr sukzessive weitere Schulräume der auslaufenden Realschule im Schulgebäude Jahnstraße beziehen wird, wenn die Realschule bereits den Freiraum von zwei weniger zu versorgenden Jahrgängen hat.“ Das Gebäude steht heute nicht mehr zur Diskussion. Diese Räume der ehemaligen Hauptschule werden künftig unter anderem als sozio-interkultureller Jugendtreff genutzt. Um es überhaupt nutzen zu können, sind derzeit Investitionen von knapp 2 Millionen Euro notwendig, die vom Land gefördert werden. Für den Einstieg in eine Gesamtschule war es von Anfang an völlig ungeeignet.

Für den Standort Lechenich sprechen eine Reihe von Gründen: Das Raumangebot ist im Schulzentrum Lechenich wesentlich größer. Die Gesamtschule kann dort zunächst ohne die Auflösung einer vorhandenen Schulform erfolgen. Das Schulzentrum in Lechenich muss saniert und umgebaut, eventuell sogar neu gebaut werden. Dort kann der Bedarf für die Gesamtschule direkt in die Planung einbezogen werden. Das Schulzentrum Liblar hat für die Eltern und Schülerinnen und Schüler im direkten Einzugsgebiet einen hohen Bindungsgrad. Der ist im Schulzentrum Lechenich deutlich geringer. Die Nachfrage nach einer Gesamtschule ist vor allem im Einzugsbereich des Schulzentrums Lechenich besonders groß. 69 % der Gesamtschüler aus Erftstadt kommen in diesem Jahr aus dem Einzugsbereich des Schulzentrums Lechenich.

Grundschulen

In Erftstadt haben wir sieben Grundschulen. Alle sind durch ausreichende Schülerzahlen in ihrem Bestand gesichert. Die SPD-Fraktion setzt sich für den Erhalt der ortsnahen Grundschulen ein. Allerdings gibt es auch hier an einigen Schulen Sanierungsbedarf. Außerdem muss das Raumprogramm der Schulen an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Nicht alle Grundschulen in Erftstadt verfügen über die Räume, die sie für gemeinsames Lernen und Ganztag benötigen.

Sanierung der Schulen

Der Sanierungsstau an den Erftstädter Schulgebäuden ist groß. Auch die Grundschulen müssen sukzessive saniert und auch baulich an neue Schulkonzepte angepasst werden. Zu schließende Lücken gibt es auch beim Brandschutz. Bei der Sanierung von Schulen ist grundsätzlich auch die Höhe der zukünftigen Betriebs- und Instandhaltungskosten zu berücksichtigen.

Die SPD-Fraktion fordert deshalb eine Bestandsaufnahme an allen Schulen sowie ein Konzept für deren Sanierung und für die Finanzierung. Das Landesprogramm Gute Schule 2020 fördert Sanierungsmaßnahmen bis zum Jahr 2020 mit insgesamt 3,6 Millionen Euro in unserer Stadt. Diese Fördermittel sollten zusätzlich zur Verbesserung der Schulen genutzt werden. Die SPD-Fraktion erwartet von der Verwaltung konkrete Vorschläge, was damit gemacht werden soll.

Die SPD-Fraktion setzt sich dafür ein, dass die Schulen bestmöglich ausgestattet werden. Das gilt sowohl für die IT-Ausstattung als auch für die Ausstattung von naturwissenschaftlichen Fachräumen. Raum bieten müssen die Schulen auch für die künstlerische und musische Erziehung der Schülerinnen und Schüler. Hier streben wir unter anderem eine starke Kooperation zwischen unserer Musikschule und den Schulen in Erftstadt an.

Schülerverkehr/Schulbusverbindungen

In einer Flächengemeinde wie Erftstadt ist die Erreichbarkeit der Schulen für alle Schülerinnen und Schüler von immenser Bedeutung. Im Grundschulbereich muss es ausreichende Verbindungen zu der nächstgelegenen Grundschule geben. Bei den weiterführenden Schulen muss die Erreichbarkeit jedes Schulzentrums von jedem Stadtteil aus gesichert sein. Dies umso mehr, je differenzierter das Angebot an den beiden Schulzentren ist.

Ganztag

Alle sieben Erftstädter Grundschulen bieten über das System der offenen Ganztagsschule (OGATA) eine Übermittags- und Ganztagsbetreuung an. Eltern können sich in der Regel jährlich entscheiden, ob sie dieses Angebot wünschen. Darüber hinaus bieten sechs Schulen eine Betreuung in der „Kernzeit“ an, teilweise auch „verlässlicher Halbtag“ genannt. Der Bedarf ist groß.

Eine vor Jahren von der SPD-Fraktion aufgrund bekannter Mängel initiierte Umfrage zu der Qualität der OGATA-Bereiche der Grundschulen hat so nicht nur zu einem Ausbau der Plätze, sondern auch zu einer erheblichen Qualitätsverbesserung geführt. Insbesondere in Gymnich wurde massiv investiert. 450.000 Euro wurden für die Vergrößerung und Modernisierung des OGATA-Bereiches inkl. Mensa verbaut.

Die SPD-Fraktion setzt sich darüber hinaus für die Einführung gebundener Ganztagsschulen in Grundschulen ein. Zumindest in einer Grundschule in Erftstadt sollte ein solches gebundenes Ganztagsangebot eingeführt werden. Die Janusz-Korczak-Schule in Erp ist da bereits mit gutem Beispiel vorangegangen. Sie bietet die einzige echte Ganztagsklasse in einer Erftstädter Grundschule an.

Gebundenen Ganztag bieten die Hauptschule Lechenich, die Realschule Lechenich und das Gymnasium Liblar an. Die Realschule Liblar und das Gymnasium Lechenich haben offene Ganztagsangebote. Bei den weiterführenden Schulen unterscheiden wir zwischen „gebundenem“ und „offenem“ Ganztag. Offener Ganztag wird als Betreuungsprogramm an Halbtagsschulen angeboten. Gebundener Ganztag ist verpflichtend an „echten“ Ganztagsschulen und verzahnt die pädagogische Arbeit über den ganzen Tag.

Ein gutes Ganztagsangebot an den Grundschulen erhöht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nach einer jüngsten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin) werden über 10 % der vorher nicht erwerbstätigen Frauen berufstätig, wenn ihr Kind nach der Einschulung nachmittags betreut werden kann.

Förderpädagogik und Inklusion

Die ehemalige Don-Bosco-Schule in Friesheim wird derzeit noch als Teilstandort der Martinusschule Kerpen weitergeführt. Aufgrund der zurückgehenden Schülerzahlen ist selbst der Teilschulstandort nicht mehr gesichert. Hier steht der Rhein-Erft-Kreis in der Pflicht, ein Förderschulkonzept vorzulegen, bei dem die Schülerinnen und Schüler weiterhin mit möglichst kurzen Schulwegen die gewünschte Förderschule besuchen können.

Schulische Inklusion findet in Erftstadt nicht ausreichend statt. Nur vier unserer sieben Grundschulen bieten gemeinsames Lernen an. Im Bereich der weiterführenden Schulen beteiligen sich nur die Hauptschule und die beiden Realschulen mit einem vergleichsweise niedrigen Anteil. Hier müssen wir deutlich besser werden. Wir brauchen ein Inklusionskonzept für die Schulen in Erftstadt. Vom gemeinsamen Lernen profitieren sowohl die Schüler mit Beeinträchtigung als auch die ohne.

Sport und Schule

Schulsport ist wichtig. Besonders, wenn Kinder den Großteil des Tages in der Schule verbringen. Die Erftstädter Grundschulen haben nicht ausreichend Sporthallenkapazitäten. Sechs Halleneinheiten sind vorhanden, aber neun werden laut Schulentwicklungsplan benötigt. Die Verwaltung muss darstellen, wann und wie sie eine Halleneinheit in Lechenich und zwei Halleneinheiten in Liblar für die Grundschulen bereitstellen will.

Die beiden Schulzentren der weiterführenden Schulen nutzen die Sportstadien in Liblar und Lechenich mit. Die bei einem Neubau oder einer Sanierung des Schulzentrums Lechenich wegfallenden Leichtathletikanlagen am alten Sportplatz müssen dann zwingend am neuen Sportplatz bereitgestellt werden. Ersetzt werden müssen in vielen städtischen Sporthallen die Turngeräte. Geräteturnen kann unter den jetzigen Bedingungen im Schulunterricht kaum noch angeboten werden.

Die SPD-Fraktion hält auch vor diesem Hintergrund an ihrer Forderung eines Sportstättenkonzeptes fest.

Schule und Vereine

Vereine beklagen, sie können nicht ausreichend Nachwuchs bekommen, weil die Kinder heute den ganzen Tag in der Schule sind. Hierzu regen wir an, die Kooperationen zwischen Vereinen und Schulen auszubauen. Einige Schulen gehen bereits mit gutem Beispiel voran und erkennen Trainings- und Probezeiten als Ausgleichszeiten für die Teilnahme am Ganztag an. Hier gibt es sicher unterschiedliche Konzepte, von denen Schüler und Vereine profitieren können.

Migration

Erftstadt hat ca. 5 % ausländische Schüler, gemessen an der Staatsbürgerschaft. 22 % der Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund. Schaut man ihren schulischen Werdegang an, fällt auf, dass überdurchschnittlich viele Ausländer und Migranten die Förder- und Hauptschule besuchen und unterdurchschnittlich viele das Gymnasium.

Betrachten wir die Schulangebote für die Kinder der geflüchteten Menschen, wird klar, dass sie kaum Möglichkeiten in Erftstadt haben. Die einzige weiterführende Schule, die diesen Kindern zur Verfügung steht, ist die Hauptschule. Nur hier gibt es ein Integrationskonzept für fremdsprachige Schüler. Das ist keinesfalls zufriedenstellend. Auch hier zeigt sich, wie undurchlässig unser bisheriges Schulsystem ist.

Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit ist aus Schulen nicht mehr wegzudenken. Sie ist ein wichtiges niedrigschwelliges Angebot an Schüler und deren Familien. Schule ist heute nicht mehr nur Lern- sondern auch Lebensraum. Dadurch haben sich die Problemstellungen verändert. In Gesamtschulen gehört Schulsozialarbeit seit 40 Jahren zum Konzept. Nun haben andere Schulen auch erkannt, wie hilfreich das ist. In Erftstadt sind zwei Schulsozialarbeiterinnen beschäftigt, die sich um die Schüler kümmern. Ihre Arbeit hat sich sehr bewährt. Wir fordern, dass das Land/der Bund die Finanzierung der Schulsozialarbeit auf Dauer sicherstellt.

Schulentwicklungsplan

Der von einer hauchdünnen Mehrheit beschlossene Schulentwicklungsplan für die Jahre 2016 bis 2020 ist reine Makulatur. Er bietet schlichtweg keine Lösungsvorschläge für die Entwicklung eines nachhaltigen und zukunftsorientierten Schulkonzeptes. Der Bedarf an der Errichtung einer Gesamtschule wird überhaupt nicht erwähnt. Konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Inklusion fehlen völlig. Der Bedarf an zusätzlichen Sportstätten für die Grundschulen wird zwar erwähnt, konkrete Handlungsempfehlungen fehlen jedoch völlig. Keine konkreten Vorgaben enthält der Schulentwicklungsplan auch zum Ausbau und zur Weiterentwicklung des Ganztagsangebots an den Erftstädter Schulen. Die demografische Entwicklung und deren Auswirkungen auf das Schulsystem werden nahezu komplett ausgeblendet.

Für die SPD-Fraktion steht somit fest: Die Schulpolitik muss auf komplett neue Füße gestellt werden.

Beschlossen am 9. Januar 2017

Bernd Bohlen


Aktuelle Fortschreibung

Friesheim: Weder für Dependance noch für Einstieg geeignet

Friesheim ist weder als Dependance der Weilerswister Gesamtschule noch als Standort für die Neugründung einer Gesamtschule geeignet. Als Dependance ist das vorhandene Schulgebäude zu klein, als eigenständiger Standort liegt es am Rand der Stadt und zu nahe am derzeitigen Gesamtschulstandort Weilerswist.

Eine Dependance der Weilerswister Gesamtschule in Erftstadt ist kein Ersatz für eine eigenständige städtische Gesamtschullösung. Mit ihrem Vorschlag exportieren die CDU und der CDU-Bürgermeister ihre Handlungsunfähigkeit in der Gesamtschulfrage nach Weilerswist. Sie bringen Unruhe in eine Schule, die gute Arbeit leistet – nur um in Erftstadt von ihrem Versagen in der Schulpolitik abzulenken. Die Politiker in Weilerswist haben das über die Parteigrenzen hinweg erkannt und reagieren mittlerweile auch entsprechend. Es ist nicht zu erwarten, dass sie einer Dependance-Lösung zustimmen werden.

Im Übrigen haben auch die Erftstädter Eltern und ihre Kinder nichts davon. Dass sich mit Eröffnung der Dependance deutlich mehr Schüler zur Gesamtschule gehen können, ist mehr als ungewiss. Die Stadt hat jedenfalls bei einer Dependance darauf keinen Einfluss.

Der Vorschlag, Friesheim als Einstieg für eine eigenständige Gesamtschule nutzen zu wollen, ist ebenfalls keine Lösung. Der Vorschlag impliziert, dass die Gesamtschule nach zwei Jahren in freiwerdende Räume der Hauptschule und/oder der Realschule umzieht, weil dort deutlich weniger Schüler angemeldet werden. Eine absurde Logik! Eine teure Logik – im Hinblick auf die notwendigen Ertüchtigungsmaßnahmen für das Schulgebäude in Friesheim sowie insbesondere der anstehenden Sanierung des Schulzentrums Lechenich ohne Gesamtschule. Vor allem aber eine perfide Logik! Die Befürworter einer solchen Lösung hoffen, auf diese Weise die Gründung einer Gesamtschule auf Jahre unmöglich zu machen. Möglich schlechte Startbedingungen für die Gesamtschule sollen dafür sorgen, dass nicht genügend Schüler für die Gründung der Gesamtschule zusammenkommen.

Die SPD-Fraktion lehnt die taktischen Spielchen von CDU und Bürgermeister Erner auf dem Rücken und auf Kosten der Erftstädter Eltern und deren Kinder ab. Sie fordert Bürgermeister und CDU-Fraktion auf, ihre Verantwortung gegenüber allen Eltern in der Stadt gerecht zu werden und sich für die Gründung einer Gesamtschule an einem zentralen Standort in Erftstadt einzusetzen.

Beschlossen am 13.02.2017

Bernd Bohlen