SPD: Anpassung an moderne Anforderungen ist die wichtigste Aufgabe der nächsten Ratsperiode

Erftstadt. Das Angebot an weiterführenden Schulen in der Stadt Erftstadt hat in den letzten Jahren stark an Attraktivität verloren. Während Nachbarkommunen ihre Angebote stark ausgebaut und verbessert haben, ist in Erftstadt alles beim Alten geblieben. Immer mehr Schülerinnen und Schüler aus Erftstadt besuchen weiterführende Schulen in Nachbarkommunen. Das Schulangebot in Erftstadt an die modernen Anforderungen anzupassen, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Rates der Stadt Erftstadt als Schulträger in den nächsten fünf Jahren. Dieses Fazit zog die SPD-Fraktion jetzt bei einer Pressekonferenz zum Thema Schulen in Erftstadt, zu der Fraktionsvorsitzender Bernd Bohlen, Isolde Moron, Vorsitzende des Schulausschusses, und Helmut Ockenfels, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Rede und Antwort standen.

Die Auswertung der Schülerstatistik der Jahre 2000 und 2008 gibt den Sozialdemokraten Recht. Gab es im Jahr 2000 noch 3.912 Schülerinnen und Schüler an den Erftstädter weiterführenden Schulen, so waren es im Jahr 2008 nur noch 3.674 (minus 238). Dabei stieg die Zahl der Erftstädter Schüler, die eine weiterführende Schule besuchen, im gleichen Zeitraum von 3.670 auf nun 3.986 (plus 316) an. Dafür sind zwei gegenläufige Trends verantwortlich: Einmal geht die Zahl der Schüler, die aus den Nachbarstädten kommen, stetig zurück, im Zeitraum 2000 bis 2008 um 31 % (minus 230), und gleichzeitig besuchen immer mehr Erftstädter Schüler Schulen in Nachbarstädten. Deren Zahl hat sich seit dem Jahr 2000 von knapp über 400 auf 823 im Jahr 2008 mehr als verdoppelt. „Jeder fünfte Erftstädter Schüler besucht heute eine weiterführende Schule außerhalb der Stadt. Vor acht Jahren war das noch gerade jeder Zehnte“, so Fraktionsvorsitzender Bernd Bohlen. „Der Grund: Die Stadt Erftstadt hält für diese Schüler kein passendes Angebot bereit.“ Weit über 400 Schüler besuchten zum Beispiel die Gesamtschulen in Weilerswist und Brühl. Sehr beliebt sei auch die Europaschule in Kerpen, ein Gymnasium, das Ganztagsunterricht anbietet.

Während die Entwicklung an den beiden Gymnasien im Untersuchungszeitraum positiv verlief, sind die Rückgänge vor allem an den beiden Hauptschulen (Lechenich minus 24,9 %, Liblar minus 38,4 %) auffallend. „Die beiden Hauptschulen haben in nur acht Jahren weit über 200 Schüler verloren“, so Helmut Ockenfels. Vor allem die Zahl der Erftstädter Schüler ging von 689 im Jahr 2000 auf 460 im Jahr 2008 zurück. Besonders eklatant ist dieser Rückgang in Liblar. Dort sank die Zahl der Schüler von 401 auf 247. Wenn der Schulentwicklungsplan den Trend fortschreibt, stellt sich die Frage nach dem Bedarf zweier Hauptschulen. „Auf Dauer wird es schwer vermittelbar sein, dass sich die Stadt für 460 Hauptschüler zwei Hauptschulen leistet, während für die gleiche Zahl an Gesamtschüler kein Angebot besteht“, so Bohlen.

In den nächsten Jahren werden die beiden Schulzentren Liblar und Lechenich zu Ganztagsschulen ausgebaut werden müssen. „Wir brauchen dringend ein Ganztagsangebot an allen weiterführenden Schulen“, erklärt die Vorsitzende des Schulausschusses, Isolde Moron. Die hohe Abwanderung zum Ganztagsgymnasium in Kerpen beweise, dass der Bedarf dafür hoch sei. Und auch viele Gesamtschüler wählten diese Schulform wegen der Ganztagsbetreuung. „Den Bau von zentralen Mensen in den beiden Schulzentren können wir deshalb nicht auf die lange Bank schieben“, erklärt Moron.

Wenn es gelingt, den Sportplatz aus dem Schulzentrum in Lechenich heraus auf das dafür erworbene Grundstück neben dem Bauhof zu verlegen, gibt es in Lechenich ausreichend Platz für den Bau einer zentralen Mensa für Hauptschule, Realschule und Gymnasium, meint Helmut Ockenfels. In Liblar sind dagegen die Flächen rar. Für das Gymnasium fehlt trotz des Erweiterungsbaus immer noch eine Reihe von Klassenräumen. Für eine Mensa ist dort kein Platz. Es sei denn, die Hauptschule in Liblar würde nach Lechenich verlagert. Dann gäbe es nicht nur ausreichend Platz für die Mensa, sondern auch die noch fehlenden Räume für das Ville-Gymnasium. Und schließlich könnte die Realschule Liblar, die ihre Schülerzahlen in all den Jahren gehalten hat, sich ausdehnen. Damit wäre auch der Campus der Volkshochschule, der derzeit noch vom Ville-Gymnasium genutzt wird,  frei und das Haus der Erwachsenenbildung könnte Schritt für Schritt realisiert werden.

„Wer glaubt, das Hauptproblem an den Schulen wird sich in den nächsten Jahren durch sinkende Schülerzahlen erledigen, der irrt. Die Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen werden zwar in den nächsten Jahren zurückgehen, für die Ganztagsbetreuung wird gleichzeitig aber mehr Raum gebraucht. Die Stadt als Schulträger muss sich dieser Herausforderung stellen“, so Bernd Bohlen.

Der SPD-Fraktion ist klar, dass vor allem die CDU die SPD-Vorschläge wieder einmal auf das Gesamtschulthema reduzieren wird, sind sich Moron, Ockenfels und Bohlen sicher. Mit dieser längst überholten ideologischen Diskussion über die Schulformen wird die CDU-Fraktion einmal mehr versuchen, vom Kern des Problems und der Entwicklung abzulenken. „Wenn Erftstadt mit anderen Kommunen im Schulbereich Schritt halten will, muss der Schulträger jetzt handeln“, so die drei Sozialdemokraten.